Gesünder leben: Warum 86% der Menschen scheitern und wie du es besser machen kannst

Du hast doch bestimmt selbst schon einmal versucht, irgendetwas an deinem Leben zu ändern und du kennst Freunde und Familienmitglieder, die es ebenfalls versucht haben. Wie viele dieser Menschen haben ihre Ziele erreicht? Nicht besonders viele, oder? Die Dunkelziffer dürfte sogar noch viel größer sein: Nicht jeder spricht öffentlich über seine Ziele.

Laut einer Umfrage von ComRes, bei der im Jahr 2015 knapp zweitausend Erwachsene aus Großbritannien über ihre praktischen Erfahrungen mit Neujahresvorsätzen befragt wurden, gab nur jeder siebte Befragte an, länger als ein Jahr durchgehalten zu haben. Die meisten scheiterten schon nach wenigen Wochen.

Die mit Abstand häufigsten Ziele waren übrigens Abnehmen, fitter werden und gesünder essen. Als Besucher dieser Webseite hast du doch auch genau diese Ziele, oder? Nur 14% deiner Gleichgesinnten erreichen deine Ziele langfristig. Krass, oder?

Es geht mir nicht darum, dir Angst zu machen, aber wenn du es mit deinen Zielen Ernst meinst, was ich hoffe, dann solltest du diese erschreckende Tatsache unbedingt berücksichtigen. Wenn du die richtigen Schlüsse daraus ziehst, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den 14% gehören, die es schaffen werden. Dich einfach nur mehr anzustrengen, als beim letzten Mal, ist aber mit Sicherheit nicht der richtige Weg. Du musst anders vorgehen.

Rote Pille oder blaue Pille? – Die Illusion einer Wahl

Du hast scheinbar 2 Möglichkeiten um dein Ziel zu erreichen: Den Lotterieansatz und den Strategieansatz.

Die meisten Menschen entscheiden sich für die Lotterie und legen ihren Erfolg in die Hände des Schicksals. Sie fangen einfach planlos an und gucken, wie weit sie kommen. Vielleicht haben sie ja Glück. Leider geht diese Rechnung nicht auf. Diejenigen 14%, die es am Ende schaffen werden, spielen nämlich in einer ganz anderen Liga. Die 14% haben sich von vornherein nicht für die Lotterie entschieden. Anstatt aus einem Säckchen mit sechs Nieten und einem Gewinnerlos zu ziehen, zieht man in Wahrheit aus einem Säckchen, das ausschließlich Nieten enthält. Man kann bei dieser Lotterie nichts gewinnen.

Wer sein Ziel erreichen möchte, hat realistische betrachtet nur eine Wahlmöglichkeit: Den Strategieansatz. Hier geht es darum, sich vor dem Kampf gegen seine bisherigen Verhaltensweisen bis an die Zähne zu bewaffnen. Natürlich nur bildlich gesprochen. Im Gegensatz zu echten Waffen ist das hier völlig ungefährlich.

Vermutlich hast du auch schon einmal den Ratschlag erhalten, dass heute der beste Zeitpunkt ist, um endlich anzufangen aktiv etwas zu ändern. Ich halte das für falsch. Der beste Zeitpunkt um mit der praktischen Umsetzung zu starten ist erst morgen. Denn bevor du anfangen kannst, musst du planen. Der beste Tag für die Planung ist heute. Fange heute an, deine Strategie zu planen und setze sie ab morgen in die Praxis um.

Deine Strategie wird dir dabei helfen, in Zukunft gesünder zu leben

Wer etwas an seinem Leben ändern möchte, muss seine Gewohnheiten ändern. Gewohnheiten sind ziemlich mächtig. Sie zu ändern ist schwierig.

Welche der folgenden Handlungen lässt sich am ehesten mit dem Ändern einer Verhaltensweise, wie zum Beispiel einer Essgewohnheit vergleichen?

  • Durch eine Tür gehen
  • Einen langen Weg gehen

Wenn wir bei Verstand sind, ist uns in der Regel völlig klar, dass B die richtige Antwort ist. Die meisten Menschen verhalten sich aber, als ob Antwort A die richtige wäre. Sie gehen einfach mal los, ohne eine Landkarte zur Orientierung oder Proviant für unterwegs mitzunehmen. Dann verlaufen sie sich, oder sie verhungern.

Natürlich sind Landkarte und Proviant nur Metaphern, für die tatsächlichen Probleme, die einen langfristigen Erfolg verhindern. In der oben erwähnten Umfrage gaben die meisten Abbrecher diese beiden Gründe für ihr Scheitern an:

  • Verlust ihrer Motivation.
  • Mangel an Engagement.

Schauen wir uns an, wie wir das verhindern können.

Motivation

Bei der Motivation muss man zwischen langfristiger und kurzfristiger Motivation unterscheiden. Vorauf es uns ankommt ist die langfristige Motivation. Wir wollen ja nicht nur losgehen, sondern möglichst für immer weiterlaufen. Der wichtigste langfristige Motivator ist das „Warum“. Der Grund, aus dem wir das alles machen wollen. Beantworte dazu die folgenden beiden Fragen:

  • Warum willst du genau dieses Ziel erreichen?
  • Welche Belohnung erwartest du?

Die Antworten auf diese Fragen müssen dich dauerhaft motivieren können. Die meisten Menschen, die abnehmen oder fitter werden wollen, geben Gründe an wie …

  • „Ich will es für die Gesundheit.“
  • „Ich will es um besser auszusehen.“

Ganz ehrlich: Das sind nicht die wahren Gründe! Wenn diese Gründe motivierend wäre, würde niemand rauchen oder unsportlich auf dem Sofa sitzen, anstatt Sport zu treiben. Um auf die wahren (motivierenden) Gründe zu kommen, musst du nicht nur einmal, sondern mehrmals hintereinander „Warum?“ fragen. Diese Antworten hier sind schon besser:

  • „Ich will von anderen Menschen als attraktiv wahrgenommen werden.“
  • „ich will meine Chancen auf einen attraktiven Partner verbessern.“

Schon besser! Stell dir in schweren Zeiten deine Belohnung vor. Führe sie dir vor Augen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Bastele dir etwas Visuelles und hänge es sichtbar irgendwo auf, oder trage es ständig mit dir herum.

Engagement

Das Engagement der meisten Menschen beschränkt sich darauf, sich an Tag 1 vorzunehmen, etwas zu verändern. Dann überlassen sie alles Weitere dem Schicksal und wundern sich an Tag 30, dass sie nicht engagiert sind.

Kurze Zwischenfrage: Was waren deine Gedanken vor einem Monat? Worüber hast du vor 30 Tagen nachgedacht? Du weißt es nicht mehr? Willkommen im Club. Gedanken sind wie Schall und Rauch. Nach einer Weile sind sie spurlos verschwunden.

Um auch in 30 Tagen noch zu wissen, dass du dir heute vorgenommen hast, deine Verhaltensweise zu ändern, musst du deine Gedanken in etwas verwandeln, was nicht einfach spurlos verschwindet.

Ich empfehle einen (hand-)schriftlichen Plan, der sich ganz konkret und im Detail mit deiner Verhaltensänderung befasst. Stell dir vor, dass du den Plan für einen unzuverlässigen und verpeilten Brieffreund schreibst, dem du helfen möchtest, sein Ziel zu erreichen. Überlege dir, in welche kritischen Situationen dein Brieffreund kommen könnte und mit welchen „wenn … dann …“-Anweisungen er diese Situationen unbeschadet überstehen würde. Es geht vor allem darum, dass du dir vorab Gedanken über schwierige Situationen machst und, dass der Plan anschließend irgendwo herumliegt, so dass du ihn von Zeit zu Zeit siehst und dadurch an dein Vorhaben erinnert wirst.

Hinweis: Es ist immer besser, zu versuchen, gar nicht erst in schwierige Situation hinein zu geraten. Anstatt dir etwa zu überlegen, wie du verhinderst, dass du bei einer Heißhungerattacke die ganze Schublade mit den Süßigkeiten auf einmal leer futterst, sorge lieber dafür, dass du gar keine Süßigkeiten in der Wohnung hast. Das ist nicht intuitiv. Deswegen auch mein Ratschlag, bei der Ausarbeitung des Plans an einen verpeilten und unzuverlässigen Brieffreund zu denken. Würdest du ihm zutrauen, dass er sich bei einer Heißhungerattacke im Griff hat? Das solltest du auch nicht. Du solltest es dir selbst genauso wenig zutrauen. Ich schreibe hier auch aus eigener Erfahrung 😉

Fazit

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die darüber entscheiden, ob eine geplante Veränderung scheitert oder überlebt. In diesem Artikel haben wir uns zwei der wichtigsten Faktoren genauer angeschaut: Das motivierende „Warum“ und die „Landkarte“, mit deren Hilfe wir auch in schwierigen Situationen genau wissen, was wir zu tun haben.

Weitere Tipps und Tricks, die dir dabei helfen, motiviert an deinem Vorhaben dranzubleiben, findest du auf meinem Blog HabitGym – Fitnessstudio für dein Leben.

P.S. Dass du den Artikel komplett gelesen hast, beweist schon, dass du es Ernst meinst. Das mit dem „Warum“ und dem Plan kriegst du auch noch hin.

Dr. Jan Höpker

Jan Höpker hat Chemie studiert und in Biochemie promoviert. Auf seinem Blog "HabitGym.de - Fitnessstudio für dein Leben" hilft er seinen Lesern dabei, mehr aus ihrem Leben zu machen, indem er sie mit relevanten Konzepten und Ideen aus den wichtigsten Sachbüchern der letzten 100 Jahre versorgt.