Zu wenig Schlaf führt wirklich dazu, dass du mehr isst. Verrückt aber wahr.

Hast du dich schon mal gefragt, warum es schwieriger ist ungesunden Snacks zu widerstehen, wenn du wenig geschlafen hast?

Ist dir ein Zusammenhang bewusst?

Nein?

Ein Mangel an Zeit ist nicht der einzige Grund, der während einer stressigen Woche zu schlechten Essensentscheidungen führt. (Übrigens ist ein Mangel an Zeit die mit schlechteste Ausrede, warum du nicht gesund essen könntest.)

Ein Mangel an Schlaf signalisiert deinem Körper tatsächlich, dass „er“ beziehungsweise du mehr essen müsste. Als Präferenz werden kaloriendichte und hochverarbeitete Kohlenyhdrate „bevorzugt“, die keinerlei Mehrwert für deinen Körper bieten und dich schon gar nicht mit Energie und Leistung am Morgen „betanken“ können.

Stellt sich nur die Frage warum das so ist?

Das liegt unter anderem daran, dass appetitregulierende Hormone stimuliert werden, die folglich dazu führen, dass du mehr isst.

Verantwortlich dafür ist vor allem das Hormon Ghrelin.

In der Studie zeigte sich, dass die Teilnehmer, die zwei Nächte nur vier Stunden lang schliefen, einen um 18 Prozent geringeren Leptin-Spiegel und eine 28-prozentige Erhöhung des Hormons Ghrelin aufwiesen.

Leptin ist ein Hormon, dass dem Gehirn signalisiert, dass kein weiterer Bedarf an Nahrung besteht, während das Hormon Ghrelin den Hunger stimuliert.

Die Teilnehmer dieser Studie berichteten darüber, dass sie wesentlich mehr Appetit und Verlangen nach Süßigkeiten wie Keksen, salzhaltigen Lebensmitteln wie Chips und Nüssen sowie Brot und Pasta hatten.

Auch zeigte sich in epidemiologischen Studien eine Verbindung zwischen zu wenig Schlaf und Übergewicht. In einer Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Personen, die weniger als vier Stunden pro Nacht schliefen um 73 Prozent eher übergewichtig waren.

Verglichen wurde die Auswirkung von einer durchschnittlichen Schlafdauer von 3 Stunden und 53 Minuten mit Teilnehmern, die im Durchschnitt 9 Stunden und 8 Minuten schliefen. Nach bereits zwei Nächten veränderte sich das Verhältnis von Ghrelin zu Leptin um 71 Prozent. Mit dem angestiegenen Hunger veränderten sich ebenfalls die Essensentscheidungen. Es erhöhte sich nicht nur das Bedürfnis nach den oben genannten Süßigkeiten, sondern kam auch zu einem geringeren Verlangen nach Früchten, Gemüse und Milchprodukten.

Die Wissenschaftler wissen nicht genau, wieso diese veränderten Ernährungsentscheidungen zustande kommen. Die Annahme ist jedoch, dass durch die Versorgung des Gehirn mit Glucose, isolierte Kohlenhydrate unter einem Mangel von Schlaf bevorzugt werden. Obendrein wird unter einem Mangel an Schlaf die Willenskraft und Motivation für die Auswahl an nährstoffreichen Lebensmitteln reduziert. So wird eher zum zuckerreichen und nährstoffarmen Müsli gegriffen, als die Mühe gemacht wird ein nährstoffreiches Müsli aus Obst, Haferflocken etc. zuzubereiten.

Diese Erfahrung kann ich persönlich zu einhundert Prozent unterschreiben. Ich schlafe zwar sehr sehr selten nur weniger als vier Stunden, bemerkte allerdings, dass sich meine Essensentscheidungen unter einem Mangel an Schlaf deutlich unterscheiden können. Und das, obwohl ich alle notwendigen und gesunden Gewohnheiten entwickelt habe.

In den letzten vier Jahrzehnten haben sich die Schlafgewohnheiten stark verändert. Im Gegensatz von vor 40 Jahren schläft ein durchschnittlicher Erwachsener knapp zwei Stunden weniger. Auch die Anzahl von Jugendlichen, die weniger als sieben Stunden schlafen, hat sich erhöht.

Fazit

Durch den steigenden Druck an geförderter Performance ist das wichtige Thema „Schlaf“ in den Hintergrund geraten.

Es mag zunächst so scheinen, als dass eine erhöhte wache Stundenanzahl die Performance und Produktivität erhöhen könne.

Die wissenschaftlichen und auch persönlichen Erfahrungen zeigen jedoch in eine völlig andere Richtung.

Es kommt tatsächlich nicht nur zu einer verringerten Performance, sondern führt auch zu einer erhöhten Zufuhr an ungesunden Kalorien, die weder Leistung noch Gesundheit fördern.

Der Tausch von Zeit gegen Schlaf ist somit keine kluge Idee.

Vergessen solltest du nicht, dass Schlaf genauso wichtig ist wie deine Ernährung und körperliche Betätigung — nur einfacher!

Wenn du nachhaltig ein bestimmtes Körpergewicht erreichen möchtest, dann probiere auch deine Schlafgewohnheiten anzupassen.

Florian Kaminski

Autor und Gründer von Foodoholic. Spielt seit dem 4. Lebensjahr Badminton. Trainierte und lernte auf der erfolgreichsten Sport-Eliteschule Deutschlands und kurzzeitig am Olympiastützpunkt. 10-facher Berliner Meister, 8-facher Berliner Vize Meister, 4-facher Norddeutscher Meister, 3. Platz Deutsche Meisterschaft uvm. Studiert Inter. Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie. Ausbildung zum Gesundheitsberater in Planung. Ist beeindruckt vom Buddhismus und liebt das Kochen mit frischen und regionalen Produkten. Besitzt über 100+ fremdsprachige Ernährungs-, Philosophie- und Kochbücher. Hat in 12 Jahren Leistungssport von A-Z fast alles ausprobiert. Setzt auf eine vitalstoffreiche, vollwertige und auf Pflanzen basierte Ernährung. Liebt 92%-ige Schokolade und qualitativ hochwertiges Fleisch. Reduziert seinen Zuckerkonsum auf ein Minimum, setzt auf hochqualitative Fette, trinkt keine Milch und vermeidet Auszugsmehle und Fabrikfette.